Kita Bergbande in Stolberg feiert 10. Geburtstag

Die Bergbande hat Geburtstag: Auf das Jubiläumsfest freuen sich Kinder, Eltern, Mitarbeiter und Leiterin Birgit Thielen (hinten, 3.v.l.)  

Leiterin Birgit Thielen blickt auf die Anfänge zurück.

 

STOLBERG Der Eingang ist mit bunten Basteleien geschmückt, die Kerze für das bevorstehende Fest wurde kurz vorher noch eingesegnet. Die Bergbande feiert Geburtstag. Vor zehn Jahren öffnete die inklusive Einrichtung der Caritas Lebenswelten an der Bergstraße in Stolberg ihre Türen. Dabei begann in den Wochen vor der Eröffnung ein „heißes Rennen um die Zeit“, erinnert sich Leiterin Birgit Thielen und lacht. „Die ersten Bagger rollten im Dezember 2011 an. Im August 2012 haben wir eröffnet. Das war schon sportlich.“

Seit dem Start vor zehn Jahren leitet Birgit Thielen die Kita. „Der Bedarf an Plätzen für Kinder unter zwei Jahren und für Kinder mit einer Behinderung oder Entwicklungsverzögerung war damals hoch“, sagt sie. Thielen arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre beim Träger. „Als man mir die Leitung angeboten hat, habe ich gerne zugesagt“, berichtet sie und fügt hinzu: „An die Anfangszeit denke ich gerne zurück.“ Während auf dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz des Bethlehem-Gesundheitszentrums die neue Kita entstand, empfing Birgit Thielen im Rolandshaus – das ist mittlerweile abgerissen, auf dem Gelände entsteht ein Ärztehaus – interessierte Eltern. „Inklusive Plätze und Plätze für Kinder unter zwei Jahren waren damals schwer zu bekommen. Die Eltern waren teilweise lange auf der Suche“, erinnert sie sich. Zum Konzept der Einrichtung gehört nach wie vor eine Nestgruppe für ganz junge Kinder. Insgesamt besuchen heute 58 Kinder in vier Gruppen die Kita.

Gestartet sei man damals mit 55 Plätzen. Voll belegt war die Einrichtung bei ihrer Eröffnung allerdings nicht. „Und das war auch gut so“, ist Birgit Thielen heute noch überzeugt. „Der Träger hat uns damals Zeit gegeben, sodass die Kita sich mit und mit füllen konnte. Wir waren ja auch ein neues Team, das sich erst einmal finden musste. Da war es hilfreich, dass nicht alle Plätze belegt waren.“ So sei es auch möglich gewesen, das Konzept der Einrichtung schrittweise zu entwickeln. Thielen beschreibt dies als fortlaufenden Prozess. „Eine Einrichtung muss sich konzeptionell weiterentwickeln und sich mit neuen Ansätzen beschäftigen“, betont die Leiterin. Dazu zähle auch die Auseinandersetzung mit dem Begriff Inklusion. „Die Caritas kommt aus der Behindertenhilfe. Wir stehen für den inklusiven Gedanken“, sagt Thielen. Bis zu 17 Kinder mit einer Behinderung oder Entwicklungsverzögerung besuchen die Einrichtung. „Aber im Laufe der Jahre ist der Inklusionsbegriff weiter geworden. Eigentlich geht es um alle unsere Familien.“ Die Bergbande werde nicht nur von Kindern mit Behinderung und Entwicklungsverzögerung besucht. „Wir haben auch einen großen Anteil an Familien, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die aus anderen Kulturkreisen stammen. Auch die Familienkulturen sind heute ganz verschieden“, sagt Thielen und ergänzt: „Jeder kann bei uns so ankommen und sein, wie er oder sie ist. Darauf legen wir großen Wert.“ Wichtig ist Birgit Thielen und ihrem Team auch die Partizipation von Kindern. „Natürlich altersgerecht“, betont die Einrichtungsleiterin. Wahlmöglichkeiten seien ein guter Anfang. „Aber wenn ein Kind nur entscheiden darf, ob es Wasser oder Tee trinken möchte, hat das noch nichts mit Mitwirkung zu tun.“ Beim anstehenden Fest zum Jubiläum seien die Kinder aktiv eingebunden worden. „In den Gruppen wurde darüber gesprochen, welche Vorstellungen sie für diesen Tag haben. Das haben dann die Vertreter aus den einzelnen Gruppen vorgestellt. Natürlich konnten wir nicht alles umsetzen, aber darum geht es auch nicht“, sagt Thielen und fügt an: „Die Kinder erkennen, dass sie etwas gesagt haben, das eine Wirkung hatte, und erhalten eine Rückmeldung.“

Wenn Birgit Thielen das vergangene Jahrzehnt Revue passieren lässt, denkt sie an etliche schöne Momente – aber auch an etliche Veränderungen, die mit ihrem Beruf einhergegangen sind. „Die Erwartungen und Qualitätsstandards sind kontinuierlich größer geworden. Ausstattung und Personal halten mit diesen Entwicklungen aber nicht immer Schritt“, sagt sie und spricht damit das Thema Fachkräftemangel an. „Hier bei uns sind keine Stellen unbesetzt, aber wir haben einen Beruf, in dem viele junge Frauen arbeiten. Wenn sie schwanger werden, geht damit ein Beschäftigungsverbot einher und dann werden Stellen frei. Das macht mir und vielen meiner Kollegen schon Sorgen.“ Für das, was in Kitas geleistet werde, brauche es genug Personal. „Und es muss alles dafür getan werden, dass der Status Quo nicht so bleibt“, betont Thielen. Auch die Coronavirus-Pandemie habe Auswirkungen auf Kinder, Eltern und Personal gehabt. „Das war die Zusammenarbeit mit den Eltern, aber wir haben die Beziehungen zu den Familien auch während des Lockdowns pflegen können und immer lösungsorientiert zusammengearbeitet.“ Umso glücklicher sind Birgit Thielen und ihre Mitstreiter nun, dass die Feier zum Jubiläum so stattfinden kann, wie sie, die Kinder und Eltern, es sich gewünscht haben. „Wir freuen uns auf ein schönes Fest. Dafür haben wir nochmal all unsere Kräfte mobilisiert“, berichtet Thielen.

AZ Samstag, 3.9.22 - Nr. 205, Text und Bild von Sonja Essers

 

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